Wer heute einen elektronischen Kontoauszug von der Bank bekommt, hält meist eine CAMT.053-Datei in den Händen. Öffnet man sie im Texteditor, wirkt sie zunächst abschreckend: viele spitze Klammern, verschachtelte Bausteine, englische Kürzel. Dahinter steckt aber eine klare, logisch aufgebaute Struktur. Wer sie einmal versteht, liest eine CAMT-Datei wie einen normalen Auszug.
Was CAMT.053 ist
CAMT.053 gehört zum internationalen Standard ISO 20022, auf dem auch der SEPA-Zahlungsverkehr aufbaut. Der technische Name lautet camt.053.001.08 und steht für den „Bank to Customer Statement", also den Kontoauszug von der Bank an den Kunden. Das Kürzel camt steht für „Cash Management".
Anders als das ältere MT940 ist eine CAMT.053-Datei kein knapper Textblock, sondern eine XML-Datei. Jeder Wert steht in einem eigenen, benannten Element. Den direkten Vergleich der beiden Formate zieht der Beitrag CAMT.053 oder MT940. Hier geht es um den inneren Aufbau von CAMT.053 selbst.
Der Aufbau: eine Datei in Ebenen
Eine CAMT.053-Datei ist wie eine Schachtel in Schachteln aufgebaut. Von außen nach innen:
- Document ist die äußere Klammer um alles.
- BkToCstmrStmt (Bank to Customer Statement) ist der eigentliche Auszug.
- Darin steht zuerst der GrpHdr (Group Header) mit Angaben zur Datei selbst: eine Referenz und der Erstellungszeitpunkt.
- Danach folgt mindestens ein Stmt (Statement), also der Auszug für ein Konto. Enthält die Datei mehrere Konten, gibt es mehrere Stmt-Blöcke.
Innerhalb eines Stmt finden Sie drei wichtige Bausteine:
- Acct (Account): um welches Konto es geht, meist per IBAN.
- Bal (Balance): die Salden, dazu gleich mehr.
- Ntry (Entry): die einzelnen Buchungen, eine pro Umsatz.
Die Salden: OPBD und CLBD
Jeder Auszug hat mindestens zwei Salden, und beide stehen in einem Bal-Block, unterschieden durch einen Code:
- OPBD (Opening Booked) ist der Anfangssaldo zu Beginn des Auszugszeitraums.
- CLBD (Closing Booked) ist der Endsaldo am Ende.
Daneben können weitere Salden auftauchen, etwa der verfügbare Betrag. Für die Buchhaltung zählen aber vor allem diese beiden. Praktisch daran: Sie lassen sich gegenrechnen. Es gilt immer
OPBD + Summe der Gutschriften − Summe der Belastungen = CLBD
Wenn diese Rechnung aufgeht, ist der Auszug in sich vollständig. Genau das ist ein guter Weg, um zu prüfen, ob beim Verarbeiten keine Buchung verloren ging.
Eine Buchung im Detail
Der spannendste Teil ist der Ntry-Block. Auch er ist verschachtelt: Unter NtryDtls (Entry Details) steht TxDtls (Transaction Details) mit allen Einzelheiten. So sieht eine Buchung gekürzt aus, mit erfundenen Werten:
<Ntry>
<Amt Ccy="EUR">89.90</Amt>
<CdtDbtInd>DBIT</CdtDbtInd>
<Sts><Cd>BOOK</Cd></Sts>
<BookgDt><Dt>2026-06-02</Dt></BookgDt>
<ValDt><Dt>2026-06-02</Dt></ValDt>
<NtryDtls>
<TxDtls>
<RmtInf><Ustrd>Stromabschlag Juni</Ustrd></RmtInf>
<RltdPties>
<Cdtr><Nm>Stadtwerke Muster</Nm></Cdtr>
</RltdPties>
</TxDtls>
</NtryDtls>
</Ntry>
Element für Element gelesen:
- Amt ist der Betrag, mit der Währung als Attribut (
Ccy="EUR"). - CdtDbtInd gibt die Richtung an:
DBITfür eine Belastung,CRDTfür eine Gutschrift. - Sts ist der Status,
BOOKsteht für gebucht. - BookgDt ist das Buchungsdatum, ValDt die Wertstellung.
- RmtInf enthält den Verwendungszweck, im Element Ustrd (unstrukturiert).
- RltdPties nennt die Beteiligten, hier den Empfänger (Cdtr, Creditor) mit Namen.
Der große Vorteil: Jeder Wert hat sein eigenes Element. Eine Software muss keinen Textblock zerlegen wie beim MT940, sondern liest gezielt aus. Der vollständige Verwendungszweck bleibt erhalten, IBAN und Name der Gegenseite sind sauber getrennt.
Warum die Versionsnummer wichtig ist
Ein Detail, an dem in der Praxis viele Importe scheitern: die Versionsnummer am Ende. Die aktuelle Fassung ist camt.053.001.08. Davor war lange die Version .02 im Einsatz, die mit SEPA eingeführt wurde. Seit der Neuordnung im November 2025 liefern die Banken die .08.
Beide heißen umgangssprachlich „camt.053", sind technisch aber nicht identisch. Ein Programm, das nur .02 einlesen kann, scheitert an einer .08-Datei, obwohl auf beiden „camt.053" steht. Wenn ein Import ohne erkennbaren Grund fehlschlägt, prüfen Sie zuerst diese Nummer. Den Hintergrund zur Umstellung erklärt der Beitrag MT940 wurde abgeschaltet.
Noch ein praktischer Hinweis: Banken liefern die Datei oft nicht direkt, sondern in einem ZIP-Archiv verpackt. Sie müssen sie also erst entpacken, bevor Sie die XML-Datei vor sich haben.
Aus dem PDF in eine CAMT.053-Datei
Nicht jede Bank stellt CAMT.053 für jedes Konto bereit, und häufig bleibt am Ende nur das PDF des Auszugs. Wenn Ihre Buchhaltung aber eine CAMT-Datei erwartet, brauchen Sie einen Weg dorthin.
Mit SmartKontoauszug wandeln Sie ein PDF direkt in eine gültige CAMT.053-Datei um, mit korrekt gesetzten Elementen und Salden. Details und Beispielausgaben finden Sie auf der Seite Kontoauszug in CAMT.053 umwandeln. Welche Banken erkannt werden, zeigt die Übersicht der Banken; die Kosten pro Seite stehen unter Preise.
Häufige Fragen
Was bedeutet die 08 in camt.053.001.08?
Sie steht für die Version des Formats. .08 ist die aktuelle Fassung, die die Banken seit November 2025 liefern. Die ältere Version war .02.
Was sind OPBD und CLBD? Die beiden wichtigsten Salden: OPBD (Opening Booked) ist der Anfangssaldo, CLBD (Closing Booked) der Endsaldo des Auszugszeitraums.
Wo steht der Verwendungszweck?
Im Element Ustrd innerhalb von RmtInf, das wiederum unter NtryDtls/TxDtls einer Buchung liegt. Anders als bei MT940 wird er vollständig übertragen.
Warum kann ich meine CAMT-Datei nicht importieren, obwohl das Programm CAMT unterstützt?
Meist liegt es an der Version. Die neuen Dateien sind camt.053.001.08, ältere Programme erwarten .02. Beides heißt „camt.053", ist aber nicht dasselbe.
Warum ist meine CAMT-Datei in einem ZIP? Viele Banken verpacken die XML-Datei in ein ZIP-Archiv. Entpacken Sie es, dann liegt die eigentliche CAMT.053-Datei darin.
