Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung – kurz EÜR – ist die einfachste Methode, um in Deutschland einen Gewinn zu ermitteln. Sie funktioniert nach dem Zufluss-Abfluss-Prinzip (§11 EStG): Eingenommen ist, was auf dem Konto ankommt; bezahlt ist, was vom Konto abgeht. Bilanz, Inventur und doppelte Buchführung entfallen.
Wer darf sie nutzen?
| Gruppe | EÜR möglich? |
|---|---|
| Freiberufler (z. B. Ärzte, Anwälte, Designer) | Ja, immer |
| Land- und Forstwirte unter Buchführungsgrenze | Ja |
| Gewerbetreibende mit Umsatz ≤ 800.000 € und Gewinn ≤ 80.000 € (Werte ab 2024) | Ja |
| GmbH, AG, UG | Nein – immer Bilanz |
| Im Handelsregister eingetragene Einzelkaufleute über Schwelle | Nein |
Aufbau und Anlage EÜR
Die EÜR wird elektronisch über ELSTER mit der Anlage EÜR übermittelt. Die Anlage gliedert Einnahmen und Ausgaben in feste Positionen:
- Betriebseinnahmen (mit/ohne USt, steuerfrei)
- Vereinnahmte und vereinbarte Umsatzsteuer
- Wareneinkäufe und bezogene Leistungen
- Personal-, Raum-, Fahrzeug-, Werbekosten
- Abschreibungen (AfA)
- Übrige Betriebsausgaben
- Privatentnahmen und -einlagen
- Ergebnis: Gewinn oder Verlust
Besonderheiten beim Geld-Prinzip
- Eine im Dezember 2025 ausgestellte Rechnung, die im Januar 2026 bezahlt wird, ist 2026 Einnahme.
- Anlagevermögen über der GWG-Grenze (800 € netto, ab 2024) wird nicht sofort, sondern über die AfA über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben.
- Umsatzsteuer-Vorauszahlungen und -Erstattungen gelten als Betriebsausgabe bzw. -einnahme im Zahlungsjahr (Sonderregel: 10-Tage-Regel um den Jahreswechsel).
EÜR aus Kontoauszügen
Weil das Zufluss-Abfluss-Prinzip auf den Kontobewegungen basiert, ist der Kontoauszug die wichtigste Datenquelle. Wer Auszüge in eine Buchhaltungssoftware (lexoffice, sevDesk, BuchhaltungsButler, ELSTER-Anlage EÜR-Programme) importiert, sollte:
- jeden Umsatz einer Einnahmen- oder Ausgabenkategorie zuordnen
- Privatentnahmen sauber separieren
- Belege (Rechnungen, Quittungen) digital nach GoBD archivieren
Vorteile
- Keine Bilanz, kein Inventar
- Geringere Verwaltungskosten
- Liquiditätsnah – nur das ist Gewinn, was tatsächlich geflossen ist
- Wechsel zur Bilanzierung ist später möglich, aber einmal pro Jahr nur zum Wirtschaftsjahresbeginn
